Leistungsbeurteilung
Die Leistungsbeurteilung ist das Herzstück jedes Schweizer Arbeitszeugnisses. Sie stützt sich auf die sogenannte Zufriedenheitsskala: Kleine Variationen von Signalwörtern wie „stets“, „vollsten“ oder „zur Zufriedenheit“ entscheiden darüber, ob eine Note 6 (sehr gut) oder eine Note 3 (ausreichend) vermittelt wird. Entdecke typische Leistungsformulierungen und ihre echte Bedeutung nach Art. 330a OR.
... stets zu unserer vollsten Zufriedenheit ...
Die höchste Stufe der Schweizer Zufriedenheitsskala — eine Bestnote ohne Einschränkung.
... stets zu unserer vollen Zufriedenheit ...
Zweithöchste Stufe der Zufriedenheitsskala — eine gute, aber nicht die bestmögliche Note.
... zu unserer vollen Zufriedenheit ...
Ohne das Wort „stets“ sinkt die Note auf befriedigend — auch wenn der Satz auf den ersten Blick positiv klingt.
... zu unserer Zufriedenheit ...
Ohne „voll“ und ohne „stets“ — eine unterdurchschnittliche, gerade noch ausreichende Bewertung.
... im Grossen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit ...
Die Einschränkung „im Grossen und Ganzen“ macht daraus eine mangelhafte Bewertung.
... bemühte sich, die Aufgaben zu erledigen.
Ohne jede Erfolgsnennung ist „bemühte sich“ die schlechteste Note der Skala.
Er/Sie bemühte sich stets, die ihm/ihr übertragenen Aufgaben zufriedenstellend zu erledigen.
Klingt engagiert, sagt aber nur, dass sich die Person bemüht hat — nicht, dass sie das Ziel erreicht hat.
Er/Sie erledigte alle Aufgaben mit grossem Interesse.
Lobt die Motivation, sagt aber nichts über die tatsächliche Leistung oder das Ergebnis aus.
Er/Sie zeigte für die Belange des Betriebs Verständnis.
Die Person hat die Anforderungen verstanden — aber nicht unbedingt erfüllt.
Er/Sie hatte Gelegenheit, seine/ihre Fachkenntnisse zu erweitern.
Deutet an, dass die fachlichen Kenntnisse zu Beginn (noch) nicht ausreichend waren.
Er/Sie verfügt über eine gewisse Selbständigkeit.
Das einschränkende Wort „gewisse“ relativiert das Lob — eher unterdurchschnittlich selbständig.
Insgesamt hat er/sie unsere Erwartungen erfüllt.
Neutral-negativ gelesen: reine Erfüllung des Minimums, keine Übertreffung der Erwartungen.
... übertraf alle unsere Erwartungen stets in jeder Hinsicht ...
Höchste Anerkennung für herausragende Leistungen weit über den Soll-Vorgaben.
Er/Sie arbeitete stets zielstrebig, systematisch und ausserordentlich effizient.
Erstklassige Arbeitsweise mit herausragenden Ergebnissen.
Er/Sie führte die Arbeiten stets mit grossem Fleiss aus.
Fleissig, aber der eigentliche Arbeitserfolg oder die Qualität wird nicht besonders hervorgehoben.
Er/Sie arbeitete stets mit grossem Einsatz.
Betont die Einsatzbereitschaft, lässt aber die Qualität der Arbeitsergebnisse weitgehend offen.
Er/Sie versuchte stets, die gesetzten Ziele zu erreichen.
Ein „Versuch“ bedeutet im Arbeitszeugnis, dass die Ziele nicht erreicht wurden.
Er/Sie erwies sich auch in schwierigen Situationen stets als ausserordentlich belastbar.
Höchste Belastbarkeit und Souveränität auch unter starkem Druck.
Er/Sie arbeitete auch unter starker Belastung stets zuverlässig.
Gute Belastbarkeit und verlässliche Arbeitsqualität in Stressphasen.
Er/Sie war den Anforderungen im Wesentlichen gewachsen.
Die Einschränkung „im Wesentlichen“ signalisiert deutliche Überforderung in Teilbereichen.
Er/Sie arbeitete stets mit hoher Sorgfalt und Präzision.
Hohe Genauigkeit und Zuverlässigkeit in der Ausführung.
Er/Sie zeichnete sich stets durch ausserordentliche Eigeninitiative aus.
Proaktives Handeln und herausragendes Engagement.
Er/Sie eignete sich bei Bedarf neue Kenntnisse an.
Lernbereitschaft erst bei konkreter Aufforderung oder Notwendigkeit.
Er/Sie verfügt über ein stets hervorragendes und tiefgehendes Fachwissen.
Exzellente Fachkompetenz auf dem neuesten Stand.
Er/Sie wandte sein/ihr gutes Fachwissen stets erfolgreich in der Praxis an.
Erfolgreicher Praxis-Transfer fundierter Kenntnisse.
Er/Sie zeigte stets Bereitschaft, sich weiterzubilden.
Die Bereitschaft war da, aber der tatsächliche Lernerfolg wird nicht erwähnt.
Private Probleme wirkten sich zeitweise auf seine/ihre Arbeit aus.
Ein Blick ins Privatleben, der im Zeugnis nichts zu suchen hat — auch dann nicht, wenn er die Leistung erklären soll.
Er/Sie war für die Aufgabe schlicht unfähig.
Ein herabwürdigendes Werturteil über die Person statt einer sachlichen Beurteilung der Arbeit.