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Zuletzt aktualisiert am 11. August 2026Fachwissen

Arbeitszeugnis-Note: So wird sie in der Schweiz berechnet

Auf einen Blick: In einem Schweizer Arbeitszeugnis steht nie eine Zahl wie «Note 5» im Text. Die Gesamtnote ergibt sich aus einer feinen Zufriedenheitsskala (Variation von Adverbien wie «stets» und «vollsten»), kombiniert mit der Vollständigkeit der Verhaltensbeurteilung und der Schlussformel. In der Schweiz gilt: Note 6 ist die Höchstnote (sehr gut) und Note 1 die schlechteste (ungenügend).

«Welche Note habe ich eigentlich bekommen?» ist die mit Abstand häufigste Frage beim Lesen eines Arbeitszeugnisses. Wer die Notenskala versteht, kann sein Zeugnis realistisch einschätzen und gezielt Korrekturen verlangen.


1. Die Schweizer Notenskala: 6 ist die Bestnote

Ein wesentlicher Unterschied zu Deutschland oder Österreich: In der Schweiz gilt das Schulnotensystem von 1 bis 6:

NoteVerbalnoteBedeutung im Schweizer Berufsleben
Note 6Sehr gutStets hervorragende Spitzenleistung ohne jeden Abstrich
Note 5GutÜberdurchschnittliche, solide Leistung (Schweizer HR-Standard)
Note 4BefriedigendDurchschnittlich. Anforderungen erfüllt, aber ohne besonderen Einsatz
Note 3AusreichendUnterdurchschnittlich. Deutliche Vorbehalte des Arbeitgebers
Note 2MangelhaftErhebliche Mängel in Leistung oder Verhalten
Note 1UngenügendVölliges Verfehlen der Leistungsanforderungen

2. Die Zufriedenheitsskala im Wortlaut

Die Gesamtnote der Arbeitsleistung lässt sich an festen Formulierungen in der Leistungsbeurteilung ablesen:

Formulierung im ZeugnisNoteErklärungs-Details
«…stets zu unserer vollsten Zufriedenheit…»6 (Sehr gut)Doppelte Steigerung: stets (durchgehend) + vollsten (Superlativ).
«…stets zu unserer vollen Zufriedenheit…»5 (Gut)stets vorhanden, aber Verzicht auf den Superlativ vollsten.
«…zu unserer vollen Zufriedenheit…»4 (Befriedigend)Das Fehlen von stets signalisiert: nur gelegentlich gut.
«…zu unserer Zufriedenheit…»3 (Ausreichend)Weder stets noch voll. Deutliche Abwertung.
«…im Grossen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit…»2 (Mangelhaft)Explizite Einschränkung (im Grossen und Ganzen).
«…bemühte sich, die Aufgaben zu erledigen.»1 (Ungenügend)Reine Anstrengung ohne belegten Erfolg.

3. Die Note steht in der Leistungsformel — der Rest wirkt daneben

Die Zufriedenheitsformel ist nicht bloss der bekannteste Baustein, sie ist der einzige, der eine Zahl trägt. Die übrigen Teile des Zeugnisses haben keine eigene Position auf der Skala; sie verändern den Gesamteindruck, ohne die Note rechnerisch zu verschieben:

  1. Leistungsbeurteilung: trägt die Note. Steht die Zufriedenheitsformel mehrfach auf unterschiedlichem Niveau, ist das Zeugnis in sich widersprüchlich — dann zählt der Mittelwert, bei Gleichstand die tiefere Stufe.
  2. Verhaltensbeurteilung: Erwähnung aller drei Gruppen in korrekter Reihenfolge (Vorgesetzte, Kollegen, Kunden). Fehlen die Vorgesetzten, ist das ein deutliches Warnsignal — aber kein Notenabzug, sondern ein eigener Befund.
  3. Schlussformel: Dreigestirn aus Dank, Bedauern über den Austritt und guten Wünschen für die berufliche Zukunft. Eine sparsame Schlussformel neben einer Note 6 ist ein Widerspruch, den erfahrene Leserinnen und Leser bemerken.

Wer eine Prozentgewichtung über alle Abschnitte legt («Leistung 40 %, Verhalten 30 %, Schluss 30 %»), erfindet Zahlen für Abschnitte, die gar keine haben — und bekommt für dasselbe Zeugnis je nach Auslegung ein anderes Ergebnis.


4. Wie unsere automatische Analyse die Note ermittelt

Genau deshalb rechnet unser System nicht mit einer solchen Gewichtung. Beim Analysieren Ihres Zeugnisses wird die Note ausschliesslich aus den erkannten Stufen der Zufriedenheitsskala abgeleitet — deterministisch, ohne Ermessen: Dasselbe Dokument ergibt immer dieselbe Note, egal ob Sie es als PDF oder als DOCX hochladen. Daraus entsteht ein Score (0 bis 100 Punkte) und die Verbalnote (Note 1 bis 6).

Die Signale aus Verhalten, Führung und Schlussformel gehen nicht verloren: Sie erscheinen als einzelne Befunde mit eigener Einstufung (positiv, mild, deutlich oder stark negativ) neben der Note — dort, wo sie hingehören, statt in einer Zahl verrechnet zu werden, die niemand mehr nachvollziehen kann.

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